Rum-Cola on the rocks

Kennst du diese Art von Mensch, der wie ein einsamer Wolf durch Felder, Wald, Tal und Wiesen streift, sich an den flatterigen Schmetterlingen, krabbeligen Insekten, zwitschernden Vögeln, duftenden Blumen und in satten Grüntönen erstrahlenden Bäumen nicht satt sehen kann? Der die Finger durch die Grashalme streifen lässt, den Geruch des feuchten Waldbodens gierig aufsaugt, entzückt den säuselnden Klängen des Windes lauscht, wenn er durch die Baumkronen weht? Dessen Herz vor lauter Glückseligkeit über die unfassbare Anpassungsfähigkeit der Natur Purzelbäume schlagen lässt?

 

Genau so ein Mensch bin ich. Begeisterungsfähigkeit für die Natur bis zum Anschlag.
Auch wenn es einige Zeit dauerte, bis ich erkannte, dass ich genau aus dieser meine Kraft neu schöpfen kann, bin ich umso glücklicher mir darüber im Klaren zu sein und dies vollkommen zu genießen.

 

Mittagessen. Es gibt Spinatpizza mit eingelegtem Ingwer.
„Litasi hat am Freitag zu wenig Futter für die Affen ausgestreut. Das müssen wir gleich nachholen. Und am Montag zeigt er dir dann mal, wie du mit dem Mokoro auf die andere Seite kommst, dann kannst du das Affen füttern demnächst übernehmen.“
Huch. Mir wird kurz Angst und Bange, denn Krokodile und Hippos sind hier nicht gerade selten, und die Mokoros, die hier ausschließlich von den Locals genutzt werden, erscheinen mir wie eine Nussschale – und die wäre wahrscheinlich noch sicherer.

Schwuppdiwupp sitzen wir, inklusive der beiden großen Schäferhunde, im Boot. Der Himmel ist seit meiner Ankunft vor zwei Tagen etwas diesig, eine leicht dunkelgraue Wolkenwand braut sich am Horizont zusammen.
Wir schippern mit motorisiertem Antrieb rüber zu Hippo Island. Ich springe vom stark schaukelnden Boot auf das sandig-matschige Ufer, den 10-Kilo-Sack mit Mais im Schlepptau – bei 37°C nicht gerade die leichteste Sportübung.
Nachdem ich das Affenfutter gewissenhaft gleichmäßig verteilte und wieder an Bord klettere, ist die ehemalige dunkelgraue Wolkenwand am Horizont mittlerweile zu einem schwarzen Brecher direkt über unseren Köpfen mutiert.
Nichtsdestotrotz fahren wir weiter, um eine Bienenfresserkolonie zu beochbachten. Das sind kleine, wunderschöne und koolibriartige rote Vögel, die ihre Flugkünste anscheinend nicht nur allein, sondern mit hunderten ihrer Art zur Schau stellen.

Sehr weit kommen wir allerdings nicht: der Fluss ist noch relativ flach und Günther, mein Gastvater, hat große Mühe, das Boot um Sandbänke und herausragende Steine zu manövrieren.
Dann beginnt es: riesige Regenperlen klatschen auf das Sonnensegel und innerhalb einer Sekunde verändern sich die riesigen gemütlichen Platscher in auf der Haut pieksenden und stechenden Regen, der uns, gepaart mit dem nun aufkommenden Wind, für kurze Momente die Luft raubt und uns wie nach Luft schnappende Fische aussehen lässt.

Wir kehren um, haben wegen einem Felsen jedoch Mühe, das Boot zu wenden.
In diesem Moment hören wir das erste Donnergrollen. Ich hatte es ja schon fast geahnt: lange werde ich nichts von meiner neu errungenen Freiheit haben, sondern stattdessen während eines Gewitters auf dem Zambezi den Löffel abgeben.

Blitze zucken ununterbrochen über den Fluss – eins, zwei.. es ist unmöglich, die Distanz des Gewitters zu erahnen. Wie wild geworden schlägt ein Blitz nach dem anderen ein.
‚Wenn ein Blitz ins Wasser einschlägt und das Wasser an uns hochspritzen würde, ist da noch soviel Energie vorhanden dass wir wie tote Fliegen umkippen würden?‘  Fragen, die man sich stellt wenn das Wasser von allen Seiten auf Dich einprasselt.

Nach einer schier nicht enden wollenden Fahrt kommt endlich der Steg der HippoLodge in Sicht. Innerlich schwanke ich zwischen himmelhochjauzenden Jubelschreien und der nagenden Angst in der Brust, dass wir es nicht bis zum Steg schaffen könnten.
Nach einer gefühlten Ewigkeit legen wir an, machen die anderen Boote sturmfest und rasen den Hang hinauf zur überdachten Küche. Auch wenn es noch keine Steigerungsform von ’nass‘ gibt: falls es eine gibt, wollen wir diese nicht kennenlernen. Nicht jetzt.

„Geil!“ Beate strahlt. „Darauf trinken wir jetzt aber einen Rum“.
Ok, ganz ehrlich – ich bin etwas verwirrt.
Als „geil“ hätte ich das Beinahe-Ende meines Lebens nun nicht betitelt – aber ich bin ja anpassungsfähig.

Der „Rum-Cola on the rocks“ tut tatsächlich ziemlich gut.
Nach der ersten erfolgreichen Runde dieses süffigen Gebräus stellt sich dann auch heraus, dass mit „Geil!“ schlichtweg die Freude über den Regen gemeint war, denn nun kann hier alles zum Leben erwachen.

Am nächsten Morgen kann ich auch nur staunen: Geil!
Überall, wo ich auch hinschaue, sieht es so aus, als hätte Jemand einen Pinsel in grüne Farbe getaucht und damit großzügig herumgekleckert.
Von irgendwoher höre ich ein vibrierendes Summen und als ich mich einem Baum nähere, kann ich das Summen fast in meinem Körper spüren: fleißige Bienenvölker, die eifrig Blüten bestäuben.
Überall krabbeln verschieden große Käfer herum, die Vögel flattern heute besonders aufgeregt herum, die Zikaden sind wesentlich lauter zu hören als in den letzten Tagen und die Affen lassen sich auf der anderen Uferseite ihren Mais schmecken.

Der einsame Wolf in mir ist wieder erwacht.

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6 Kommentare

  1. Super Blog hier♡♡♡ mag ich richtig gerne lesen:) freue mich für dich dass du deinen Traum lebst ♡♡♡vllt könntest du noch ein wenig mehr über dich schreiben?! Wie man sich so etwas erfüllen bzw. leisten kann und gerne auch ein paar Fotos von Dir! Dann kann ich mir ein noch besseres Bild machen😊
    Genieße weiterhin alles und schreib weiter so tolle Berichte!!!
    LG aus der Schweiz♡♡♡

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  2. Es ist als würde man im Geiste live dabei sein. Gänsehaut, Euphorie…ein kribbeln was durch den Körper saust. Fernweh und unheimlich viel stolz das Du deinen Traum lebst!

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