Cause an elephant doesnt care about fences, you know?

 

Mit leicht wackeligen Knien gehe ich auf das weiß-gelb-blaue Flugzeug zu, welches mir von Nahem nicht gerade vertrauenserweckender erscheint als aus der Ferne betrachtet. Wenigstens fliege ich nicht alleine. Circa dreißig weitere Personen möchten mit mir die Reise von Windhoek nach Katima Mulilo antreten.

Ja genau, Katima Mulilo. Im nördlichsten Zipfel von Namibia, direkt am Caprivi liegt diese wundervolle, authentische Stadt, in der man das „echte Afrika“ spürt. Die Menschen leben hier so, wie es die meisten Europäer mit Afrika assoziieren: in kleinen Hütten, Babies werden in Tüchern auf dem Rücken herumgetragen , das Fleisch wird am Straßenrand in der Sonne getrocknet, die sandigen Straßen sind ohne Allradantrieb eher nur zu Fuß zu bewältigen, und last but not least: eine atemberaubende und einzigartige Natur, die hier oben unglaublich grün erscheint- im Vergleich zum Rest des Landes.
Katima Mulilo ist die letzte Stadt auf der Landkarte, die bei Hochwasser (welches ca 4 Monate im Jahr ) nicht überspült ist. Danach fährt man nicht mehr nur den ganzen Zambezi entlang, sondern schippert auch über Hütten und kleine Dörfer hinweg, die einst hier entstanden sind- aber natürlich längst verlassen worden sind.

 

„How R U?“ empfängt mich mein Sitznachbar, nachdem ich Anstalten mache mich neben ihm niederzulassen.
Bennett, wie ich später erfahren werde, unterhält sich mit mir den halben Flug über so ziemlich alle Lebensthemen, die man als zwei Fremde bei der ersten Begegnung nur bequatschen kann (Gilt in meinem Fall nicht für Deutschland. Wen interessiert das Leben seines Sitznachbarn im Flugzeug? Normalerweise ist man ja froh, wenn man so wenig Kontakt wie möglich zu genau diesem hat; bestenfalls ist noch ein freier Platz dazwischen).
Bennett arbeitet mit sieben anderen Personen, die auch alle im Flugzeug sitzen, bei einer Organisation, die zwischen den Ländern Südafrika, Botswana, Namibia und Zambia vermittelt, wem welches Tier gehört, sobald es die Ländergrenze übertritt.
„Cause an elephant doesnt care about fences, you know?“ Ja klar, leuchtet mir ein- das sind natürlich Dinge, über die ich mir vorher nie Gedanken gemacht habe. In meiner Vorstellung trampelten die Elefanten bisher halt einfach in den Game Reserves herum.

Am Ende des Fluges schließen wir noch eine kurze Wette ab (nämlich ob ich Ende Dezember, wenn mein Aufenthalt im Land der absolut überzeugten Omnivoren dem Ende zugeht, nicht vielleicht doch zum Fleischesser mutiere [haha]).
Innerlich grinse ich – der Anfang meiner Reise läuft genau nach meinem Geschmack ab – kleine aber feine Kontakte knüpfen, man weiß ja nie…

 

Das klitzekleine Flugzeug landet leicht unsanft auf dem Rollfeld in Katima. Dass ich hier keinen Frankfurter-Flughafen-Vergleich anstellen kann, war mir klar. Da sich hier jedoch weder ein Gepäckband, noch eine Passkontrolle oder sonstige Kontrolle befindet, bin ich für den Bruchteil einer Sekunde geschockt, als ich den anderen Fluggästen durch die vor Hitze flimmernde Luft in die Arrival-Halle hinterher trottete. So ein circa 20qm großes Zimmerchen, in der alle auf ihr Gepäck warten, mit genau 4 Stühlen in einer Reihe.
Nach einigen Minuten des Wartens kam das Gepäck in einer Art Kinderbimmelbahn, die es früher in Zoos oder Vergnügungsparks gab, und wurde von einem hochmotivierten Flughafenarbeiter schwungvoll vor unsere Füße geworfen.

Kaum „Wo ist denn mein Rucksack?“ gedacht, leuchtete er mir auch schon entgegen und ich zog ihn, glücklich darüber, dass ich mich keiner Diskussion aussetzen musste wo mein Gepäck abgeblieben ist, was ja meine absolute Horrorvorstellung bei der ganzen Fliegerei wäre, aus dem Gepäckhaufen.

Ich trat aus der Halle heraus in grelles Sonnenlicht. Es ist megaheiß hier, viel wärmer als in Windhoek und für einen winzigen Moment sehe ich nur Staub, Sand, Autos und viele Menschen, die glücklich lachend oder zutiefst traurig andere Menschen in Empfang nehmen bzw. verabschieden. Flughafenemotionen pur.
Hier wird mir klar: ich bin nicht mehr in der Blubberblase Windhoek, sondern im Busch. Im richtigen Afrika! Yesssss!

Meine Gastmutter scheint noch nicht da zu sein um mich einzusammeln und nach einem kurzen Blick auf die Uhr stelle ich fest, dass das Flugzeug 20 Minuten früher gelandet ist als geplant. Irgendwie versuche ich mich möglichst unauffällig zu verhalten und es dauert einige Sekunden, bis die Erkenntnis in mein Bewusstsein rieselt: ich bin die einzige Weiße am Flughafen und werde aus allen Richtungen angestarrt.
Okay, das selbe Gefühl hatte ich vor drei Jahren in Kapstadt auch schon. Also mal einfach locker weiteratmen- so ist es halt.

 

Kurz darauf brettert ein Geländewagen um die Ecke und parkt vor dem Flughafengebäude – Beate, meine Gastmutter ist da und ich werde herzlich in Empfang genommen- genau das, was ich gerade brauche.
Vom Flughafen aus fahren wir vorbei, an den ganzen kleinen Hütten in ihren Burmas (wenn die Hütten von Zaun umgeben sind), an bunt gekleideten Menschen auf Fahrrädern, zu Fuß, mit Baby, mit riesigen Obstkörben auf dem Kopf tragend.. es ist schlicht und einfach Afrika. Und mir geht das Herz wieder auf.

Beate erklärt mir kurzerhand, dass Donnerstagabends frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse und sämtliche Milchprodukte geliefert werden und ab Freitagmittag (also ab jetzt) zur Vefügung, sie nannte es „Kampf“, stehen. Ja genau, einmal in der Woche.
Auf gehts ins Getümmel; wir kaufen riesige Berge ein – und mich überkommt mein deutsch denkendes Foodsharing-Gewissen: wieviel davon wird wohl wieder weggeschmissen? Soviel Gemüse können drei Menschen doch nicht alleine essen?
Naja, erstmal abwarten und dann kann ich mir darüber immer noch Gedanken machen.

Wir fahren aus der trubeligen und kunterbunten Stadt weiter und kommen schließlich an: Hippo Lodge. Der Geländewagen fährt mühelos über den sandigen Weg und vor meinen Augen erstreckt sich das reine Paradies: bunte Kletterblumen die sich um knorrige Bäume winden, ein Gebüsch reiht sich an das Nächste, wilde Kakteen die sich der Sonne entgegenstrecken, gelbe Häuschen die mit Schilf als Sichtschutz dienen und ein großer Schäferhund, der dem Auto freudig nachläuft.

Ich steige aus, nehme den Geruch all der Pflanzen, Bäume und Blumen wahr, höre laute Zikaden, sehe bunte Vögel die laut kreischend und zirpend über meinen Kopf hinwegflattern. Und dann sehe ich ihn, er liegt direkt vor mir, die Sonne lässt das Wasser glitzern und verspricht, mit all seinen Krokodilen und Nilpferden, heimtückisch eine Abkühlung.
Zambezi.
Mein Zuhause für die nächsten elf Wochen.

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